Berichte von 04/2017

ein kurzes Update

08April2017

hallo Leute,

die Feiertage sind vorbei, der Alltag ist zurück. Nachdem in Isfahan für 13 Tage die Hölle los war, hat sich nun alles wieder beruhigt und die Menschen gehen ihren Beschäftigungen nach. Wie bereits erwähnt war der letzte Tag von Nouruz Sizdah bedar: Der Tag, den die Iraner dazu nutzen, in die Natur zugehen, zu picknicken und ihre Verbundenheit mit der Natur zu zeigen. Wir nutzten den Tag um mal wieder zum Sofeh-Berg zu gehen. Im Park am Fuße des Berges nutzten hunderte Menschen die Schatten der Bäume, um ihren Tee zu trinken, ihr Kebab zu grillen oder ihre Wasserpfeife zu rauchen. Es war ein sehr interessanter Anblick, und der Duft von gegrilltem Fleisch war allgegenwärtig. Unser Ziel war es eigentlich, natürlich auf die Spitze des Berges zu gehen. Leider waren jedoch alle Wege abgesperrt, da man befürchtete, dass ein zu großer Andrang herrscht. Letztendlich war er jedoch nicht größer als an normalen Freitagen. Wahrscheinlich wollten die meisten Leute eh nur ihr picknick in der Nähe des Parkplatzes genießen. Denn normalerweise fährt man ein wenig weiter raus aus der Stadt. Der Sofeh-Park war wohl die Lösung für die Faulen.

Grillen, Rauchen, Tee trinken? oder doch eher Volleyball spielen?  

Leider zeigte sich durch den Tag, an dem eine große Masse an Menschen zu erwarten ist, eine leichte Nervosität seitens des Regimes. Zahlreiche Polizisten durchkreutzten den Park, außerdem Soldaten und Polizisten in Zivil. Zufällig konnte ich dann beobachten, was im Iran passiert wenn man so etwas wie eine Kundgebung abhält, die nicht im Interesse des Regimes ist. Die Kundgebung hatte sowas wie ein offenes Mikrophon, wo einige Leute einen Beitrag leisteten. Den letzten Beitrag hatte eine Frau, die sich in einer Mischung aus Wut und Erregung über die Wasserpolitik des Zayanderuds (der übrigens gerade wieder Wasser führt) empört hat. Und auf einmal erlebt man eine ansteigende Spannung, Menschen verlassen schnell den Ort und aus verschiedenen Richtungen kommen Polizisten und Soldaten und bringen die Kundgebung zum Verstummen. Argwöhnisch wird jeder, der länger an dem Ort der Kundgebung verweilt, betrachtet und Zivil- und uniformierte Polizisten sprechen hastig miteinander.

Das war eine Situation, die mir seit langem Mal wieder vermittelt hat, in was für einem Land ich mich befinde. Und nach dem Entsetzen über die erlebte Situation folgt die Verärgerung, dass die Menschen hier unter so einem System leben müssen…

Nachdem der letzte Tag der Feierlichkeiten also mit diesen Eindrücken beendet wurde, bedeutete das für mich, dass ich wieder Sprachkurs und Vorlesungen besuchen darf. Das mache ich jetzt allerdings auch nur noch für eine Woche, denn ich erwarte hohen Besuch aus Deutschland, mit dem ich die nächsten 20 Tage durch den Iran reisen werde. Unsere Tour wird uns durch viele bekannte Orte führen, aber auch neue Städte sind dabei: Isfahan – Kashan – Teheran – Hamadan – Qeshm – Shiraz – Yazd – Isfahan. Ein volles Programm, auf das ich mich jedoch sehr freue. Daher wird es die nächsten 20 Tage ruhiger auf diesem Blog werden. Aber wenn ich wieder zurück bin, wird es bestimmt einiges zu berichten geben! wink

und als Bonus: Bilder von einem Spaziergang am Fluss. Für Nouruz wurde Isfahan natürlich aufgehübscht und vieles blüht und grünt.