Ein Lebenszeichen

14Jan2017

Hallo Leute!

Kennt ihr das, wenn man einen grooooßen Berg von Arbeit vor sich hat, den man abarbeiten muss und will, aber man einfach keine Zeit oder Lust hat, und dadurch der Berg noch weiter wächst?

So ist das mit den letzten Tagen hier. Mein letzter Eintrag ist nun ein paar Tage zurück, und ich habe mir schon ewig vorgenommen ein Update zu verfassen. Bisher relativ erfolglos … bis jetzt! Es gibt nämlich allerhand Dinge, die abgearbeitet werden möchten. Also fangen wir an!

Mein zweites Weihnachten außerhalb von Deutschland!

2011 habe ich zuletzt Weihnachten in einem damals fremden Land gefeiert. Ich war damals für mein Freiwilligenjahr in Israel. Jetzt, fünf Jahre später befinde ich mich in einem Land, welches zumindest politisch nicht unterschiedlicher sein könnte (und ich schwöre: Damals hätte ich mir es nicht vorstellen können dass mich der Weg des Lebens in diese Richtung führt). Warum also mal nicht einen kleinen Vergleich aufstellen? In Politikwissenschaften habe ich nämlich gelernt, dass man Äpfel und Birnen sehr wohl vergleichen kann, man muss nur gemeinsame Vergleichskritierien finden.

Nehmen wir doch mal das Weihnachts“feeling“. In Israel hat man von diesem Gefühl wesentlich mehr gespürt. Wir schmückten unsere Gemeinschaftsräume, wir besorgten einen Weihnachtsbaum, stimmten uns auf das nahende Fest ein und waren ganz aufgeregt. Ich war damals schließlich in einer Gemeinschaft unter Christen. Man „fieberte“ den Tagen entgegen.

Doch wie war das in Isfahan?

Nun, das Weihnachtsgefühl kam hier wesentlich schwieriger auf. Eigentlich fast garnicht. Der einzige Hinweis auf das nahende Fest war der Weihnachtskalender von Pauline. Ich war zur Weihnachtszeit ein paar Mal in Joulfa (dem armenisch-christlichen Stadtteil) unterwegs. Dort sah man vereinzelt Deko und Lichterketten. Richtig wahrgenommen habe ich dies allerdings erst vorgestern: Da war ich im armenischen Gottesdienst zu Weihnachten. Wie in den orthodoxen Kirchen feiert man in der armenischen Kirche Weihnachten am 6. Januar. Es war ein nicht ganz einstündiger Gottesdienst im Stehen in der Vankkathedrale. Es gab einen Damenchor und Keyboard als Orgelersatz. Zum Schluss gab es heiliges Wasser zu trinken. Die Erfahrung war sehr interessant, auch wenn ich kein Wort verstanden habe. Aber zurück zu „unserem“ Weihnachten:

  Weihnachtsdeko in Joulfa

Der Heiligabend:

In Israel hatten wir zu Heiligabend einen Gottesdienst, gefolgt von einem unglaublich leckeren und umfangreichen Abendessen mit Speisen, die unserer Volontärsmagen seit langer Zeit nicht erleben durfte. Dazu gab es bemerkenswerte Menge an Weiß- und Rotwein.

Den Heiligabend in Isfahan versuchte ich mehr oder weniger klassisch zu verbringen, auch wenn ich mich natürlich der mich umgebenen Situation anpassen musste. Am Vormittag hatte ich Sprachkurs. Am Abend besorge ich mir in einem größeren Supermarkt all die Süßigkeiten, auf die ich Lust hatte oder für die ich vorher zu geizig war, und erstellte mir so einen kleinen Gabentisch. Weiterhin ging ich zu einer iranischen KFC-Kopie und holte mir ein paar Stücken Hühnchen und Pommes: Ich betrachtete es als meine Weihnachtsgans. Zu diesem Schmaus habe ich mir einen Film angeschaut und so den Heilig Abend verbracht. Leider musste ich auf das Gläschenwein verzichten. Auf Arak mit Traubensaft hatte ich alleine keine große Lust….

das heilig Mahl...

Der 1. & 2. Weihnachtsfeiertag:

In Israel ging es am 1. Weihnachtsfeiertag in eine nahegelegene, christlich-palästinensische Stadt. Dort sangen wir in einem Chor und begleiteten einen arabischsprachigen Gottesdienst. Später gab es wieder Essen Essen Essen und Weeiin … an den 2. Weihnachtsfeiertag kann ich mehr ehrlich gesagt garnicht mehr richtig erinnern …

Hier in Isfahan musste ich am Vormittag wieder in den Sprachkurs. Am Nachmittag musste ich arbeiten (dazu später mehr). Da war nicht viel Zeit für Weihnachtsgefühle. Am zweiten Weihnachtsfeiertag verbrachte ich meine Zeit wieder mit Filmschauen und Süßigkeiten essen. Schon ein wenig mehr Weihnachtsgefühl.

Abschließend betrachtet war mein Weihnachten hier nicht wirklich besonders, und es hat geholfen, dass es für die meisten Leute hier einfach nur Tage wie jede andere auch waren. Aber es war eine interessante Erfahrung. smile

Der nächste Punkt: Silvester

Silvester hier war schon aufregender, war dies doch eine Feier auf die auch die Japaner und die Chinesen hinfieberten. Also lud ich zu einer kleinen Sause (so gut es geht) in meiner Wohnung ein. Neben uns Sprachlernern kamen auch ein paar unserer iranischen Freunde. So waren wir 9 Leute und siehe da, neben Bratkartoffeln und Fleischbällchen wurde auch das ein oder andere Glas Arak getrunken. Überraschenderweise bekam ich von einem Freund eine Flasche iranischen Rotwein geschenkt, der leicht warm gemacht wurde und mit Nabot, einer Art Zucker, gesüßt wurde. Dieses Getränk schmeckte wie Glühwein. Die Stimmung war ausgelassen und fröhlich, es wurde gelacht und gesungen, geklatscht und einem Ständchen von Yu auf einer japanischen Art von Gitarre gelauscht, viel gegessen und getrunken (nicht nur alkoholisch ;)) Leider haben fast alle iranischen Gäste um 23.40 Uhr die Party verlassen. Nach dem der Countdown gezählt wurde und das neue Jahr ohne Feuerwerk begrüßt wurde, stellten wir uns auf den Balkon um eventuell Feuerwerk zu sehen. Doch in unserem Blickfeld stieg jedoch keine einzige Rakete, obwohl die Sicht sehr gut war und wir einen guten Überblick hatten. Naja, ist halt nicht Nowruz (das iranische Neujahrsfest)

Selfiee

Meine Arbeitsstelle

Weiter oben habe ich geschrieben, dass ich angefangen habe zu arbeiten. Ich erwähnte ja, dass ich anfangen möchte Deutschkurse zu geben, und dies mache ich nun seit 3 Wochen. Ort der Anstellung ist das DENA Institut in Isfahan. Es ist ein kleines, privates Institut, welches sich auf die Deutsche Sprache spezialisiert. Dort habe ich angefangen, 3x die Woche Deutschkurse zu geben. Hauptsächlich handelt es sich es um open discussion Kurse, in denen einfach nur gesprochen werden soll. Allerdings habe ich auch einen Kurs, in dem wir ein Arbeitsbuch durchgehen und die Sprechübungen erledigen.
Natürlich interessiert es mich, warum „meine Schüler“ Deutsch lernen. Und bei alles ist es der Wunsch, in Deutschland zu studieren, zu arbeiten und zu leben. Manche dauerhaft, manche nur für eine Zeit. Und bei der Frage nach dem warum wurde es sogleich wieder politisch. Fehlende Arbeit und Perspektiven, und für die Frauen besonders fehlende Rechte wurden beklagt. Das hat mich natürlich ein wenig nachdenklich gemacht, halte ich es doch für schwierig wenn alle Leute, die ein Interesse an einem Wandel im eigenen Land haben, dem Land letztendlich den Rücken kehren. Dann wiederum habe ich mich jedoch auch mit jemandem unterhalten, der im Zuge der Grünen Revolution im Jahr 2009 für 3 Tage verhaftet und an einem unbekannten Ort festgehalten wurde, weil er sich an den Protesten gegen die Wiederwahl Achmadinejads beteiligt hatte. Und da ist es für mich verständlich, dass man lieber abhaut als in dieser Situation zu bleiben.

Aber zurück zum Deutschkurs: Daher ist es meine Aufgabe, ihnen ein Gefühl zu geben, wie es ist mit einem Muttersprachler zu sprechen. Die Schüler sind sehr nett und  auch sind begeistert dass ich Farsi kann, denn wenn Sie eine Frage haben bezüglich eines Wortes, können sie mich auf Persisch fragen, was ich manchmal verstehe und manchmal nicht.

Auch wenn ich viel Kurse habe und eine am Wochenende ist, was mir die Zeit zum rumreisen raubt, bin ich sehr froh dass ich das mache, da meine Kollegen und alle im Institut ausgesprochen nett sind. So gabs Torte für mich zum Geburtstag, ich wurde 2 Tage nach meinem ersten Tag zum Neujahrsempfang eingeladen, den wir in einem Restaurant feierten, und ich werde natürlich für meine Kurse bezahlt. sealed

Ausflug zum Kuh-e Karkas



Da nun meine Zeit ein wenig begrenzt ist, habe ich nicht viel sehen können in den letzten Tagen und Wochen. Einen Ausflug möchte ich euch jedoch nicht verschweigen. Vor ca 2 Wochen machten wir einen Trip zum Kuh-e Karkas. Dieser ist ca 3800 Meter hoch und liegt in der Nähe von Abyaneh, wo ich relativ am Anfang meiner Zeit hier war.

Los ging es früh um Sieben. Der Plan war, einen Bus nach Natanz zu nehmen und von dort mit einem Taxi einen Teil der Strecke zurück nach Kesheh am Fuße des Berges zu fahren. Yu und Babak entschlossen sich jedoch, den Busfahrer zu fragen, und so dachte dieser, dass es doch am Besten wäre, wenn er uns in der Mitte der Autobahn, schon in der Nähe von Kesheh rauszuwerfen. Gedacht, getan. Und so standen wir zu Dritt an der Autobahn, welche wir überqueren mussten (wohlbemerkt ohne Fußgängerbrücke/-tunnel um zu einer kleineren Straße nach Kesheh zu kommen. Diese kleinere Straße, welche fast parallel zur Autobahn verläuft, ist die alte Strecke von Isfahan nach Qom, und dementsprechend etwas in die Jahre gekommen und längst nicht so hoch frequentiert wie die Autobahn. Daher kamen nur sehr spärlich Autos vorbei. Und die, die vorbeikamen, winkten uns zu und gaben uns unverständliche Zeichen, aber angehalten hat keins. Genau diese Situation, mitten im nichts festzustecken, hatte ich vorausgesehen und wollte ich mit der Taxilösung vermeiden, aber naja, so ist das wenn man auf Persisch zur Kommunikation angewiesen ist. Aber das rettende Auto hielt dann trotzdem nach 45 Minuten warten, und zu unserem Glück waren es zwei junge Iraner, die ebenfalls zum Kuh-e Karkas wollten. Sie nahmen uns mit und so fuhren wir bis zum Fuße eines Berges. Am Anfang dachten wir, dass wir am Fuße DES Berges sind, dies stellte sich später jedoch als Fehler heraus. Denn wir wanderten zwar in Richtung des Gipfels, allerdings mussten wir dafür erst einen kleineren Berg überqueren. Nachdem wir den Iranern von unserem Plan, trotzdem in Richtung des Gipfels zu laufen, erzählten, trennten sich unsere Wege, da sie nicht den gleichen Plan verfolgten. Während wir also weiter stapften, drehten sie um. Für uns ging es weiter aufwärts, und das bedeutete dass wir mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit ab einem gewissen Punkt die 3000 Meter Grenze überschritten hatte, da Kesheh schon auf ca 2500 Meter liegt. Und mit zunehmender Höhe bedeutete das in den Schatten der Hänge Schnee!

Durch diesen mussten wir stapfen, teilweise mehr als 40cm. Mit meinen Wanderschuhen über Knöchelhöhe war ich einigermaßen gut ausgestattet. Yu war nur mit Straßenschuhen, Babak mit knöchelhohen Wanderschuhen unterwegs. Das führt bei beiden zu ziemlich nassen Füßen. Nach ca 4 Stunden wandern erreichten wir schließlich also schließlich den Weg, der uns zum Gipfel geführt hätte. Auf Grund der fortgeschrittenen Zeit mussten wir das jedoch auf ein anderes Mal verschieben, da wir den Gipfel nicht mehr bei Tageslicht erreicht hätten. Trotzdem war es eine sehr schöne Wanderung mit wunderschöner Natur, die Lust auf Mehr gemacht hat.


Das Ziel noch in weiter Entfernung...A Auf geht's! Schneeeee Diese Tatze, etwa 10cm groß, hatte uns etwas Sorgen gemacht... durch den Schnee

Das waren so die interessantesten Dinge, die ich in den letzten Wochen gemacht habe. Natürlich war noch mein Geburtstag, den ich relativ ruhig gefeiert habe. Im Iran ist es nicht unüblich, schon „vorzugratulieren“. Daher bekam ich bereits am 8. Januar zwei Geburtstagstorten: Eine von meinem internationalen Mitstudenten und eine von meiner Arbeitsstelle. Eine Folge am 9. Von meinen iranischen Freunden und eine zweite am 10. von einem meiner Deutschkurse. So bekam ich 4 Torten: keine schlechte Quote. Ansonsten war ich heute auch mal wieder auf dem Kuh-e Sofeh, den ich schon am ersten Wochenende nach meiner Ankunft bestiegen hab.

ein Wasserfall, der zu Beginn der Wanderung noch Wasser geführt hat ... der Dunst der Stadt... den Platz kennt ihr bestimmt ;) Isfahan Am Ende der Wanderung war der Wasserfall versiegt...

Ich bin nun seit 3 Monaten her und mein erster Kurs ist in 5 Tagen beendet. Ich habe mich dazu entschlossen, einen zweiten Kurs zu machen da ich mit meinem Persisch noch nicht so zufrieden bin. Weiterhin habe ich diese Woche einen Besprechungstermin im Geschichtsinstitut, wo ich hoffentlich ab Ende Januar Islamische Geschichte studieren werde. Also ist meine Zeit für die nächsten drei Monate gesichert. Was danach kommt, weiß ich noch nicht genau. Fest steht jedoch, dass ich nicht bis Juli hier bleiben werde sondern eher nach Hause kommen werde.

Sorry dass dieser Eintrag so lange gedauert hat. Ich hoffe euch demnächst wieder regulärer mit Infos zu versorgen.