ein schneller Februar

28Feb2017

Hallo Leute!

Huch? Drei Wochen schon wieder seit dem letzten Eintrag? Ich weiß ja nicht wie es für euch im Moment ist, aber ich habe aktuell das Gefühl dass die Zeit wahnsinnig schnell rennt. Das hat wahrscheinlich zweierlei Gründe. Einerseits da ich viel zu tun habe und viel unternehme, andererseits weil auch langsam ein Ende meiner Zeit hier in Aussicht steht. Aber dazu später mehr.

Wie gesagt, die letzten zwei Wochen waren von vielen interessanten Erlebnissen geprägt, die ich natürlich teilen möchte. Einerseits habe ich mir mit meinen deutschen Mitstreitern einige Sehenswürdigkeiten in und um Isfahan angeschaut.

So waren wir letzte Woche zum Beispiel bei den schwingenden Minaretten. Diese sind Teil einer ehemaligen Moschee und jetzigem Mausoleum von Amu Abdollah Soqla. Warum schwingende Minarette? Durch die Bauweise des Daches und der kleinen Minarette wird ein Minarett durch das andere beeinflusst. Das heißt: Gerät eins der Minarette in Bewegung und fängt an zu schwingen, wird diese Schwingung durch die Dachkonstruktion übertragen und das andere fängt automatisch mit an zu schwingen. Zumindest heutzutage ist das allerdings kein natürlicher Prozess mehr. D.h. man zahlt eine Eintrittsgebühr, und alle anderthalb Stunden wackelt ein Mann mit Menschenkraft an einem der Minarette. Was hier im Iran eine Attraktion ist, wäre in Deutschland wahrscheinlich aufgrund wohlmöglicher Baufälligkeit geschlossen. Zumindest sah das starke Wackeln am Minarett ein wenig bedrohlich aus, aber der Zweck wurde erfüllt und das zweite Minarett fing wie von Geisterhand an mitzuschwingen und kleine Glöckchen verdeutlichten den Effekt.

Das Mausoleum mit den Minaretten das Wackel-Minarett


Als nächstes ging es zu einem alten Feuertempel, der etwas außerhalb von Isfahan stand. Dieser befindet sich auch einem ca 50-60 Meter hohen Hügel. Neben dem stillgelegten Feuertempel, der frisch renoviert war, befanden sich auch einige andere Gebäuderuinen, denen jedoch keine Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Ganz lustig war, dass an diesem Tag in Isfahan ein strammes Lüftchen geweht hat und somit sowohl meine Frisur als auch die meiner deutschen Begleiterinnen ordentlich durchgepustet war. An ein Kopftuch für die Mädels war garnicht zu denken, der Wind erlaubte es nicht, dieser Bekleidungsvorschrift folge zu leisten.

der Feuertempel Der Blick auf Isfahan

Letzte Woche ist außerdem eine Gruppe von 16 JapanerInnen hier angekommen. Sie lernen für zwei Wochen Persisch und reisen dann noch eine Woche durch den Iran. Nebenbei schauen sie sich schon immer ein wenig Isfahan an. Diesen Mittwoch wurde vom International Office eine Tour angeboten, bei der wir anderen ebenfalls mitfahren durften. Es ging also zum Chehel Sotoon Palast, dem 40 Säulenpalast. Nun, im Moment hatte er leider nur 20 Säulen. Diese stützen das große Vordach des Palastes. Die anderen 20 Säulen existieren eigentlich garnicht, bzw. sie existieren nur wenn sich in dem 110 Meter langen Wasserbassain vor dem Palast auch tatsächlich Wasser befindet. Denn dann spiegeln sich die 20 Säulen im Wasser und der Palast wird zum 40 Säulen Palast. Dieser wurde von Shah Abbas I. in Auftrag gegeben, aber erst unter seinem Nachfolger Shah Abbas II. fertig gestellt und als Empfangsresidenz für Gesandte und ausländische Vertreter genutzt. Sein Inneres ist geziert von zahlreichen Gemälden, die den Shah bei veschiedenen Empfängen zeigen. Weiterhin werden auch Schlachten thematisiert, unter anderem die Schlacht von Tschaldiran, bei der die Safawiden eine verheerende Niederlage gegenüber den Osmanen einstecken mussten, da die Osmanen bereits mit Schusswaffen und Artillerie kämpfte, Ismael I. sich jedoch gegen diese Art moderner Waffen aussprach.

der Chehel Soton Palast (hier allerdings Bist Soton ;) )   Die Schlacht bei Tschaldiran - in der Mitte auf dem weißen Pferd ist Ismael I.Der Palast von hinten - hier mit Spiegelung ;)Ein Bild was aus der Reihe tanzt: Die Kuppel der Imam-Moschee

Das Highlight der letzten zwei Wochen war jedoch die Wüstentour, welche seid Wochen geplant und ebensolange davon gesprochen wurde. Nun, genau genommen war die Tour in die Wüste nur ein Aspekt dieses Tages. Zuerst besichtigten wir auf dem Hinweg einen Kuhbrunnnen. Was mag das sein? Es handelt sich dabei um einen einfachen Brunnen. Jedoch wird das Wasser aus diesem Brunnen nicht per Hand geschöpft, sondern per Kuh, beziehungsweise per Ochse. Dieser befördert durch seinen Laufweg und angetrieben durch den Gesang seines Halters Wasser an die Oberfläche, welches sich sogleich durch einen interessanten Mechanismus außerhalb des Brunnens ergießt, in Rinnen fließt und so die umgebenen Felder bewässert. Tatsächlich hörte der Ochse nur auf seinen Halter. IranerInnen, welche versuchten den Ochsen durch ihren Gesang zum Arbeiten zu bewegen, wurden von ebendiesem mit einem gelangweilten Blick in ihre Schranken gewiesen.

das Arbeitstier und sein Werk Seeelfie

Anschließend ging es weiter nach Varzaneh (da waren wir schon als wir bei der Demo waren) Dort konnte man auf dem bisschen Wasser, welches der Zayanderud noch führte, Speedboot fahren. Für einen Euro ließen wir uns das nicht nehmen. Anschließend ging es nach einem kräftigenden Mittagessen weiter außerhalb der Stadt.  Dort gab es eine „Wüstenvergnügungsanlage“ Man konnte auf die bis zu 100 Meter hohen Dünen laufen, man konnte Kamel reiten, mit einer Seilbahn von Düne zu Düne fliegen, mit 4x4 Jeeps querfeldein durch die Wüste preschen (das haben wir gemacht – sehr lustig, wohlmöglich eine iranische Art von Achterbahn ;) ), es gab ein Teehaus und Grillplätze, einen Virtual-Reality-Stand und noch einiges mehr. Zugegeben: Es war ganz anders als in meiner Vorstellung von der Tour, da ich ich dachte, dass wir mitten ins Nichts fahren, mit weit und breit keinem Menschen um uns herum. Nun so war es nicht, aber das war auch nicht das einzig unerwartete.

Speedboot fahren, da flattert der Chador man kann 4x4 fahren ... ... oder die Kulisse für ein Fotoshooting nutzen ... oder man kann auch ........   unser Bus, zum Glück hielt der Name nicht was er verspricht Bandfoto

Wir fuhren um 8.30 Uhr mit einem Bus los, hauptsächlich junge Menschen waren an Bord. Wir fuhren 20 Minuten bis wir aus der Stadt heraus waren, und plötzlich hieß es: Vorhänge zu! Gesagt, getan. Auf einmal wurde die Musik aufgedreht und als gleich standen die ersten Leute auf und tanzten. Die Kopftücher waren auf einmal nicht mehr wichtig und keine Frau störte sich an ihrem runtergerutschten Kopftuch. Die persische Musik dröhnte kräftig und die Leute tanzen auf einem sehr wackligen Dancefloor – denn wohlbemerkt fuhr der Bus die ganze Zeit. Doch das störte niemanden, und so tanzte und feierte man eine Stunde, selbstverständlich ohne Alkohol, bis wir anhielten um zu Frühstücken. Die Rückfahrt war ebenfalls ein Abenteuer, denn während wir bei der Hinfahrt verschiedene Stops gemacht haben, um zu essen bzw. den Kuhbrunnen anzuschauen, sind wir die Rückfahrt 2,5 Stunden lang durchgefahren und haben dementsprechen durchgetanzt. Selbstverständlich gab es, sobald es dunkel war, Partybeleuchtung und Blitzlicht, wie in einem typischen Club, nur eben auf Rädern. Die Videos und Bilder halte ich derweil unter Verschluss bis ich zurück komme. wink

Wie ich schon geschrieben habe, sind die letzten Wochen sehr erlebnisreich gewesen und auch die nächsten Wochen sind vielversprechend. Nächste Woche werden wir vielleicht nach Kerman fahren, dieses Wochenende steht ein Skitrip zur Debatte. Und dadurch dass man soviel unternimmt, habe ich, wie bereits geschrieben, das Gefühl, dass die Zeit nur so rennt. Und durch diese rennende Zeit kommt auch meine Ende hier näher. Denn ich habe nach einigem Überlegen beschlossen, meine Zeit hier abzukürzen und zwei Monate eher nach Hause zu kommen. Daher werde ich bereits am 10. Mai nach Deutschland fliegen. So bleiben mir jetzt noch 10 Wochen. Diese werde ich intensiv nutzen – hoffentlich auch zum Lernen, nicht nur zum Reisen. tongue-out