Berichte von 03/2017

Neujahr im Iran

28März2017

Hallo Leute,

wie bereits angekündigt befinden sich die Iraner derzeit mittendrin in den Feierlichkeiten zu Nouruz, dem Neujahrsfest und wichtigstem iranischen Feiertag. Im folgenden möchte ich euch etwas über die Herkunft und Bedeutung erklären und natürlich, wie ich diese Feiertage verbracht habe.

Nouruz (Deutsch: neuer Tag) ist das iranische Neujahrsfest. Dieses wird jedoch keinesfalls nur von Iranern gefeiert, sondern etwa von etwa 300 Millionen Menschen, wobei für andere Kulturräume dieses Fest eher eine Bedeutung als Frühlingsfest hat, wobei im Iran sowohl das neue Jahr als auch der Frühlingsbeginn eingeläutet wird. Im iranischen Kalender fällt dieser Tag immer auf den 1. Farvadin, was etwa dem 19./20./21. März entspricht. Der Ursprung dieses Datums ist die Frühlings-Tagundnachtgleiche und wurde von den Achämeniden auf diesen Zeitpunkt festgelegt. Vorher leitete die Sommersonnnenwende das neue Jahr ein. Heute wie damals wird der exakte Zeitpunkt jährlich berechnet und vom iranischen Staat festgelegt.

Ab diesem Tag haben die meisten Iraner 13 Tage frei (ich hab in der Uni sogar 20 Tage frei) und nutzen diese Zeit, um ihre Verwandten in den veschiedensten Teilen des Iran zu besuchen. Das gegenseitige Besuchen ist ein fester Bestandteil des Festes und wird meistens in einer absteigenden Rangfolge vollzogen. In den ersten Tagen besucht man die Großeltern/Eltern, danach trifft man sich in den Häusern/Wohnungen der Onkel und Tanten und dann kommt die weitere Verwandschaft.

Ein wichter Bestandteil von Nouruz ist die Tradition, einen Haft-e Sin Tisch aufzustellen. Dies ist ein mit sieben Dingen angerichter Tisch, die im persischen mit dem Buchstaben Sin anfangen.

Dabei handelt es sich um die folgenden Dinge, die natürlich auch alle eine Bedeutung haben:

Sabzi (Grünes, z.B. Weizensprossen) steht für Munterkeit
Samanak (Weizen, der vermälzt wird) steht für Wohltat und Segen
Sir (Knoblauch) steht für Schutz
Sendsched (Mehlbeere) steht für die Saat des Lebens
Serkeh (Essig) steht für Fröhlichkeit
Somagh (Sumach, ein Gewürz u.A. für Kebab) steht für den Geschmack des Lebens
Sib (Apfel) steht für die Gesundheit

Im Laufe der Jahre haben sich weitere Dinge auf den Tisch gesellt, die üblichsten sind

Sekeh (Münze) steht für den Wohlstand
Ayineh (Spiegel) steht für Reinheit und Ehrlichkeit
Scham’ (Kerze) steht für das Feuer
Tochm-e morgh-e rangi (Gefärbte Eier, ähnlich unseren Ostereiern) stehen für die Anzahl der Familienmitglieder (Vier Eier = vier Familienmitglieder)
Ketāb (Buch) steht für die Weisheit, meistens wird der Diwan von Hafiz oder das Schahname ausgelegt, aber auch je nach Glaubensrichtung die jeweiligen heiligen Schriften
Mahi ghermez (Goldfisch) im Wasser symbolisiert Glücklichkeit

Letzteres stößt jedoch bei einigen Iranern zunehmend auf Widerstand. Jährlich gehen Millionen Goldfische, welche in speziellen Farmen unter fragwürdigen Bedingungen gezüchtet werden, über den Ladentisch. Die Fische, die es auf einen Haft Sin Tisch schaffen, haben dort bei entsprechender Pflege ein mehr oder weniger erfülltes Leben und werden, sofern sich ein Gewässer in der Nähe befindet, am Ende des Nouruz-Festes in die Freiheit entlassen. Schlechter sieht es jedoch für Millionen von Fischen aus, die es nicht über die Ladentheke schaffen. Diese fristen in engen Aquarien zu hunderten ihr Dasein bis sie zum Ende des Festes ebenfalls ausgesetzt werden, oder aber vorher bereits verenden. Einige Iraner haben sich jedoch eine Alternative ausgedacht, und so platzieren sie anstelle eines Fisches eine Bitterorange. So auch der Präsident Rouhani, welcher ein entsprechendes Foto zum letztjährigen Nouruz auf Twitter veröffentlichte und unter Iranern allerhand Spekulationen verursachte … bei den vielen Haft Sin Tischen, die ich jedoch hier gesehen habe, konnte ich bei keinem einzigen diesen Alternativvorschlag beobachten. Daher ist es noch eine kleine Minderheit, die dagegen kämpft.

Rouhani und die Bitterorange (Quelle: www.bbc.com/news/blogs-news-from-elsewhere-35861954)

Doch bevor Nouruz losgeht, gibt es noch den Chahar shanbe suriyeh. Den habe ich ja beim letzten Mal schon kurz angesprochen. Dieser geht auf eine alte zaratustrische Tradition zurück. An diesem letzten Dienstag vor dem neuen Jahr werden Feuer angezündet, über die drübergesprungen wird. Damit möchte man symbolisch alles Schlechte vor dem neuen Jahr vom Feuer reinigen lassen und gestärkt und fröhlich ins neue Jahr starten. Es ist ein sehr heiterer Brauch, verbunden mit Tanz und Gesang. Nur logisch, dass dieser Brauch bei dem Regime auf wenig Freude trifft, und so im Fernsehen gedroht wurde, Leute, die bei diesem Brauch erwischt werden, für die Dauer von Nouruz einzusperren. Meiner Beobachtung zugrunde liefen diese Drohungen jedoch ins Leere, da manche Leute keineswegs darauf achteten, ihre Feuer im Versteckten zu entzünden, sondern diese außerhalb von Isfahan teilweise mitten an der Autobahn entzündeten und sichtbar gut gelaunt über’s Feuer hüpften.

Beendet wird das das Neujahrsfest vom sizdah bedar. Der letzte Tag des Neujahrsfest ist der Tag der Natur und wird dazu genutzt, Verbundenheit mit der Natur zu zeigen. Dazu füllen sich die vielen Parks und man picknickt gemeinsam oder aber man fährt aus der Stadt raus und verbringt die Zeit in der Natur.

Soviel erstmal zu Nouruz. Doch wie habe ich die letzten zwei Wochen verbracht?

wie bereits geschrieben war ich beim Chahar Shanve suriyeh auf zwei Parties eingeladen, die recht unterschiedlich voneinander waren. Eine war als kleine, familiäre Gartenparty angekündigt, die andere als 500 Leute Party mit DJ, lauter Musik und Alkohol. Der politischen Brisanz dieses Brauchen (wie oben beschrieben) bewusst, entschied ich mich für die kleinere Party. Also fuhren wir mit einem iranischen Freund ein paar Kilometer außerhalb von Isfahan, beziehungsweise rollten. Den die Straßen waren selbstverständlich an ihren Limits, da wir nicht die einzigen waren, die Idee hatten, den Abend außerhalb von Isfahan zu feiern. Somit standen wir fast 1,5 Stunden im Stau ehe wir unser Ziel erreichten. Endlich am Ziel angekommen, erwarteten uns die Familie und Freunde eines Freundes, mit denen wir zusammen tanzten, aßen und alkoholfrei tranken und selbstverständlich etliche Male über’s Feuer sprungen. Leider war das ganze durch unser Zuspätkommen für uns schon wieder nach anderthalb Stunden vorbei, und so war die Nacht angebrochen und ich hätte eigentlich gerne noch weiter gefeiert, aber leider wusste ich nicht wo die andere Party war, sondern wusste nur das sie sehr weit außerhalb Isfahans stattfindet….

Am 18. März war ich zu meiner ersten iranischen Hochzeit eingeladen. Grund genug, mir in einem der unzähligen hiesigen Herrenausstatter einen Anzug zur Feier des Anlasses zu kaufen  (womit sämtliche Ersparnisse, die ich über die letzten Monate angesammelt habe, aufgebraucht waren). Die Hochzeit selbst war sehr interessant, weil komplett unterschiedlich von dem, was man von deutschen Hochzeiten gewohnt ist. Der größte Unterschied war wohl die Geschlechtertrennung. Weil der Veranstaltungsort in einer irgendwie gearteten Weise mit den Revolutionsgarden zusammenhing, durften Männer und Frauen nicht zusammenfeiern. Das bedeutete jedoch keinenfalls eine Diskriminierung der Frauen, denn diese hatten definitiv das bessere Los gezogen. Denn während die Frauen im Saal feierten und ausreichend Platz zum Tanzen hatten (der laut Erzählungen auch genutzt wurde) herrschte bei den Männern, die auf einer Art Empore, abgeschirmt von Vorhängen saßen, eher eine Stimmung wie auf einer Beerdigung als einer Hochzeit. Mit der guten Stimmung bei den Frauen im Gehör saß man an den Tischen, aß das Obst welches als Snack bereitstand und unterhielt sich. Zweimal kam der Bräutigam vorbei und jeder schüttelte die Hand und sprach Glückwüsche aus, danach setzte man sich und redete weiter. Auch mein Freund, der Bruder der Braut, war ein wenig enttäuscht von der Stimmung und meinte, dass mit alten Männern halt keine Party zu machen sei. Der Bräutigam hatte übrigens als einziger Mann das Recht, mit den anderen Frauen zu feiern. Auch der Veranstaltungszeitraum war etwas eigentwillig (für deutsche Verhältnisse, weniger für iranische) Die Hochzeit war von 19.00 Uhr bis 22.00 Uhr angesetzt. Jedoch sollte man auf keinen Fall vor 20.00 Uhr kommen, da so zeitig ehhh noch niemand da sei. Also erreichten wir mit einer eineinviertelstündigen Verspätung die Hochzeit, und wir zählten noch zu den ersten Gästen. Bis um neun, also eine Stunde vor offiziellem Schluss, hatte man das Gefühl dass die Party erst in der Anfangsphase ist, was durch nach und nach eintrudelnde Gäste verstärkt wurde. Zwischen neun und zehn gab es dann zweimal das besagte Meet & Greet mit dem Bräutigam, und um zehn gab es ein sehr leckeres Abendbrot. Es wurde reichlich Kebab gereicht, und so kam es dass ich ohne Hemmungen sechs Fleischspieße in mich hineinstopfte, was im Nachhinein ohne einen Kräuterschnaps zur Beruhigung des Mages zu einem sehr unschönem Füllegefühl geführt hat. Ein wenig verunsichert, wie ich in so einem Zustand noch in der Lage zum Tanzen sein sollte, stellte sich die Verunsicherung als unbegründet heraus, da die Party nach dem Essen offiziell beendet wurde und die ersten Gäste bereits nach Hause gingen. Sobald alle Frauen wieder ihr Kopftuch aufhatten, durften dann auch die Männer zu den Frauen und man konnte Fotos mit dem Brautpaar machen. Für uns kam jedoch noch ein Highlight des Abends und das stellte ebenfalls als in Deutschland unmöglich vor. Die Familie begleitete das Brautpaar nämlich mit Auto zu deren Wohnung, und das passierte auf einer sehr iranischer Art. Das Brautpaar wurde mittles riskanter Fahrweise verfolgt, links- und rechtsseitig überholt, angehupt und auf einer weniger stark befahrenen Straße blockiert, angehalten und umtanzt. Eine sehr lustige Erfahrung!

die deutschen Ehrengäste (Im Hintergrund ist die zugehangene Empore zu sehen, hinter der die Männer gesessen haben

Vom 20-25. März bin ich schließlich zum ersten Mal in meinen mittlerweile nun fast sechs Monaten nach Teheran, in die Hauptstadt des Irans gefahren. Zugegebenermaßen habe ich mich in der Vergangenheit immer ein wenig davor gewehrt, da mich so ziemlich nur schlechte Eigenschaften von Teheran genannt wurden, meistens jedoch immer mit dem Zusatz: „Wenn schon nach Teheran, dann zu Nouruz, denn dann ist die Stadt wie ausgestorben“. Also packte ich die Möglichkeit beim Schopf und machte mich für vier Tage auf nach Teheran. Dort erkundete ich die Stadt mit zwei deutschen Mädels aus dem Sprachkurs und tatsächlich, ich war von der Stadt positiv überrascht. Bis auf eine nicht so schöne Situation im Bus stellte sich Teheran als sehr angenehm heraus. Die Luft war die ganzen Tage sehr sauber, man hatte wunderbare Sicht, die Straßen waren vergleichsmäßig leer und auch die U-Bahn war kein einziges Mal überfüllt.

die schneebedeckten Berge und blauer Himmel - selten in Teheran zu sehen ... leider aus dem Bus heraus, aber trotzdem gut zu sehen: der Damavand, mit 5610 Metern der höchste Berg des Iran und ruhender Vulkan

Die negative Seite war jedoch auch, dass viele Dinge geschlossen waren. So waren die ersten Tage sowohl die bekannteren Museen und Paläste geschlossen als auch der große Bazar, der an sämtlichen Tagen, die ich in Teheran verbracht habe, geschlossen war. Somit schauten wir uns ein paar Dinge an, die von Öffnungszeiten unabhängig waren, so unteranderem den Stadtteil Darband. Dieser liegt im Norden Teherans auf 1700 Metern Höhe. Man geht dort entlang eines Baches mit steter Steigung am Berg empor und hat bei unzähligen Cafe’s und Restaurants die Möglichkeit, sich zu stärken und auszuruhen. Wir selbst entschieden uns für ein Restaurant, bei dem man auf den typisch iranischen, traditionellen Pritschen mitten im  Fluss sitzen und essen konnte.

Darband Dizi, ein persisches Gericht, was man vor dem Genießen noch selbst zerstoßen muss auf den Pritschen, in der Bildmitte zu sehen, haben wir gesessen


Im Anschluss fuhren wir zum Mellat Fernsehturm, dem mit 435 Metern sechsthöchsten Fernsehturm der Welt. Von dort bot sich uns (durch die sehr saubere Luft) ein fantastischer Blick auf das abendliche Teheran.

der Mellat-Fernsehturm  

Den nächsten Tag nutzen wir für einen Tagestrip nach Qazvin. Dabei handelt es sich um eine ehemalige sassanidische Hauptstadt, etwa 2 Stunden von Teheran entfernt. Nachdem wir einen sehr dreisten Taxifahrer nach Bussen fragten und dieser uns eine Fahrt für 100€ anbot, lehnten wir nach ein paar Missverständnissen belustigt ab und fanden schließlich den Bus, für einen Preis von 2€. Die Dreistigkeit des Taxifahrers beschäftigte uns jedoch noch eine Weile, da es hier völlig normal ist, dass man als Ausländer mehr für ein Taxi zahlt als es jemand einheimisches machen würde. Aber dass ohne mit der Wimper zu zucken das vierfache des normalen Preises genannt wird, war eine neue Qualität. Auch der Taxifahrer, der uns zum Fernsehturm gefahren hatte, nutzte das Mittel der Lüge, um für sich mehr herauszuholen. Als wir einem Taxifahrer nach unserer Turmbesichtigung davon erzählten, nutzte er das für einen Rundumschlag gegen den Iran und die Iraner. In seinen Augen waren das Land und die Leute seit der islamischen Revolution kaputt, was sich seiner Meinung darin zeigte, dass in einem islamischen Land Leute angelügt werden, wo doch die Lüge als eine der schlimmesten Sünden im Islam zählt. Das nutze er dann um zu erklären, dass er mit dem Islam schon lange nichts mehr am Hut hätte und, was uns dann doch sehr überraschte, auf die Rückkehr des Schahs wartete, bzw. auf den ältesten Sohn vom letzten Schah Mohammad Reza Pahlavi. Und so zeigte er uns Bilder von der Schahfamilie, erklärtete wer wer ist und nutze das darauffolgende Bild eines Mullahs um symbolisch draufzuspucken. Das war also die andere Seite…

Aber zurück zu Qazvin … dort besichtigen wir eine Sehenswürdigkeiten, unteranderem den Chehel Sotoon Palast (den es auch in Isfahan gibt, nur in größer) sowie die Jamee-Moschee, die zu den ältesten im Iran zählen soll. Leider wurde unsere Zeit durch ungemütllichen Regen gestört, und nach einem wärmenden Tee fuhren wir vorzeitig nach Teheran zurück.

    man merkte der Moschee ihr Alter an ... die Hauptkuppel hatte bedrohliche Risse und musste entsprechend abgestützt werden Kuppel in der Jamee Moschee eig. wurde überall an der Moschee gebaut ... oder es standen zumindest Gerüste da... und noch eine Kuppel

Leider ist in den nächsten Tagen auch der Regen nach Teheran gekommen, weshalb das Vorhaben, den Golestanpalast zu besuchen, kurzerhand gestrichen wurde und anstelle dessen zahlreiche Tee und Cappuchinos in diversen Cafés zu Preisen, die man so nicht mal in Europa findet, genossen wurden. Eigentlich hatte ich überlegt, noch ein paar Tage länger zu bleiben. Jedoch entschloss ich mich,  kurzerhand wieder ins 10° wärmere Isfahan zurückzukehren. Hier verbringe ich seitdem meine  freien Tage. So habe ich ein paar Freunde getroffen und Leuten, die ich in Teheran im Hostel kennengelernte, die Stadt gezeigt...

PS. Bilder zu einigen Events, insbesondere Nouruz, habe ich nicht mit meiner eigenen Kamera gemacht. Sobald ich die Bilder kriege, werde ich sie hier nachreichen.

Vier Tage im Süden

14März2017

Hallo Leute,

wohl erholt und voller Vitamin D kehrte ich vorgestern Abend von meinem viertägigen Urlaub am Persischen Golf zurück, von dem in den nächsten Zeilen berichten möchte.

Die eigentliche Idee war ja, nach Kerman zu fahren. Dies musste jedoch umgeplant werden, also entschieden Moritz und ich uns kurzfristig für einen Urlaub im Süden in Bandar Abbas und auf der Insel Qeshm. Also fix ins Reisebüro und für 45$ einen Flug von Isfahan nach Bandar Abbas gebucht. Der Flug mit Iran Air dauerte anderthalb Stunde, hatte einen beunruhigend klappernden Start, verlief ansonsten aber ganz ruhig und ohne Probleme.

In Bandar Abbas angekommen, ließen wir uns von unserem Taxifahrer erzählen, dass das Hotel, welches wir uns herausgesucht hatten, ja schon ziemlich dreckig wäre und warum wir denn nicht was besseres wöllten. Nach seiner Meinung sollten wir was besseres nehmen, also bot er an, uns zu einem neuen Hotel zu fahren, was aufgrund der Neuheit noch ganz günstige Preise hätte. Wir willigten ein, und so fuhr er uns zu einem Hotel, welches sich tatsächlich als sehr neu herausstellte, Preislich auch bezahlbar war, jedoch schon über dem Budget lag, welches ich normalerweise bezahle. Aber war ja der erste Abend und der Geldbeutel war gefüllt und saß locker. Also gönnten wir dem Taxifahrer seine Provision und buchten eine Nacht. Anschließend schlenderten wir noch ein wenig entlang der Promenade, aßen einen Burger im iranischen Hans im Glück und ich geriet in Versuchung, eine Wasserpfeife an der Kaimauer zu rauchen, die zu Haufen angeboten wurden. Der Versuchung konnte ich jedoch widerstehen. Relativ schnell ging es zurück ins Hotel.

Die Meeresküste von Bandar Abbas Eine Tradition ist es, zu Now Ruz, dem Iranischen Neujahr, einen Goldfisch für den Zeitraum des Festes zu halten. Genaueres dazu schreibe ich beim nächsten Mal!

Für den nächsten Tag waren zunächst einige Must-sees in Bandar Abbas geplant, die sich allerdings an einer Hand abzählen lassen. Zugegeben, die Stadt ist nicht gerade ein Highlight. Und auch die Dinge, die man sich anschauen kann, waren relativ fix gesehen. So machten wir uns als erstes auf zu einem Indischen Tempel, der jedoch wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war. Also ging es zum Fischmarkt, in denen von zahlreichen Händlen noch zahlreichere Fische und Meeresfrüchte angeboten wurden. In meinen Augen war es schon eine Masse an Fisch, und wenn man überlegt dass dies nur ein Markt von zehntausenden auf der Welt ist, dann muss man sich eigentlich nicht wundern dass die Meere überfischt sind. Aber interessant war es anyway.

der indische Tempel Fisch  Wenn die T-Shirt Farbe zum Fisch passt

Weiter ging es zunächst zu einer kleineren Moschee, dann zu einem relativ unspektakulären Badehaus und weiter zur Jame-Moschee von Bandar Abbas. Interessanter Fakt: Im Süden des schiitischen Iran leben hauptsächlich Sunniten. So war auch die Jame-Moschee eine sunnitische Moschee. Diese wurde vor  41 Jahren renoviert und neu gebaut, auf der Stelle wo früher die Alte stand. Im Inneren sieht man noch einige Reste dieser alten Moschee.

im Inneren der Jame-Moschee Überreste der alten Moschee, umhüllt von der Neuen

Danach war so ziemlich alles gesehen, und es war noch nicht mal Mittag. Also nutzten wir die Zeit um auf die nahegelegene Insel Hormuz zu fahren. Die Überfahrt dauerte 50 Minuten und uns erwartete eine kleine und sehr schöne Insel. Nach einem kräftigenden Tintenfisch-Celou und hausgemachter Limonade in einem putzigen Café ging es zur Hauptattraktion dieser Insel: die Überreste einer portugiesischen Festung. 1515 eroberten die Portugiesen die Insel und hielten sie bis 1622, dann wurde sie von Shah Abbas zurückerobert. Besonderheit der Insel sind die zahlreichen, unterschiedlichfarbenen Sande und Gesteine der Insel, und durch Eisenoxid war die Burg mit rotem Stein und Sand gebaut.

Boote, die vor dem Hafen von Bandar Abbas warten. Was diese wohl geladen haben? auf Hormuz Graffiti, iranian style Ruinen der portugiesischen Festung Überreste einer Kathedrale Blick auf die Ruine Hormuz-Stadt



Anschließend ging es per Motorad-Hitchhike entlang der Küste bis wir feststellten, dass unser Fahrer garnicht uns auf seinem Weg mitnahm, sondern dahin fuhr wohin wir wollten. Also stoppten wir ihn nach einigen Kilometern, gaben ihm ein wenig Geld und machten uns auf, querfeldein durch die Insel zu wandern, zumindest für ein paar Kilometer und Höhenmeter. Und so ging es über Stück und Stein und durch eine Müllhalde zum nächstgelegenen Gipfel, von dem sich schon ein schöner Ausblick über die Insel bot. Jedoch war es nicht der höchste Punkt.

der graue Streifen ist übrigens eine Müllhalde. Eine schändliche Verschmutzung dieser wunderschönen Insel Steine in allen möglichen Farben: ob grün ... ... rot ... ... oder schwarz mit Glitzer

Der nächste Gipfel konnte aufgrund von Zeitmangels jedoch nicht mehr bestiegen werden, also ging es zu sechst im Auto zurück zur Fähre und zurück nach Bandar Abbas, um dort unser Gepäck vom Hotel zu holen, zurück zur Fährstation zu gehen und nach Qeshm zu fahren. Die Überfahrt dauerte auch nochmal 40 Minuten und die ersten Nächte verbrachten wir in Tabl, was nochmal eine Stunde Autofahrt auf der Insel (welche übrigens wie schon erwähnt die größte Insel des Iran ist).

In Tabl, das so ziemlich zentral auf der Insel gelegen ist, verbrachten wir zwei Nächte um uns von dort den westlichen Teil der Insel anzusehen. Also ging es mit dem Sohn unseres Gastgebers auf eine vierstündige Tour, um allerhand spektakuläre Natursehenswürdigkeiten zu sehen. Als erstes ging es zu den Namakdon Salzhöhlen. Die Größere der beiden erstreckt sich bis zu sechs Kilometer ins Innere des Berges. Im Inneren gab es salzerne Stalakmiten und Stalaktiten zu sehen.

die Insel strotzt nur so von atemberaubenden Erosionsformen Salziges Salz Schreiender Mann im Fall, Iran, 2017 die Höhle erstreckt sich bis zu sechs Kilometer, für uns war nach 50 Metern Schluss der Service an dieser Rezeption ließ zu wünschen übrig. nicht nur in der Höhle gab es Salzablagerungen

Weiter ging es zum Chahkuh-Pass. Durch Regenwasser-Erosion hat sich in tausenden von Jahren ein Klamm mit zahlreichen Auswaschungen und Formen gebildet. Sehr interessant zu sehen!

  Chahkuh-Pass

Anschließend ging weiter zur einer Lenj-Werft, wo traditionelle iranische Fischer- und Handelsschiffe noch in Handarbeit gebaut werden. Gegen einen kleinen Obolus durften wir auch auf ein Schiff hochklettern. Anhand des ausgetrockneten Holzes vermuteten wir, dass dieses Schiff wohl für die Touristen ist und wohl nie das Wasser sehen wird. Interessant war es trotz alledem.

die Schmuggler ... äääh Handelsschiffe

Nach einem leckeren Mittagessen in unserer Unterkunft liefen wir anschließend noch durch Tabl und erkundeten die Gegend. Am nächsten Tag ging es zu den Mangroven-Wäldern, ein Highlight von Qeshm, was quasi direkt vor unserer Haustür lag. Dieses Feuchtgebiet ist dein Brutgebiet von 25% der iranischen und 2% der weltweiten Vogelarten. Leider bekamen wir dadurch bei unserer Fahrt nicht sooo viel mit. Ein paar Vögel sahen wir, aber die großen Schwärme blieben aus. Und als wir doch einen sahen, hat meine Kamera gesponnen. So ist das halt.

unsere Unterkunft auf dem Weg zum Mangrovenwald eine traditionelle Fischerhütte   

Mit einem Zwischenstop in Bandare Laft, eine Stadt mit einer ziemlich großen Windfängerdichte, ging es weiter nach Qeshm Stadt, wo wir bei einem Deutschen Paar schliefen, welches innerhalb von vier Jahren aus dem Nichts das beliebteste Restaurant in Qeshm Stadt aufgebaut haben, wobei es mit einem Imbisswagen angefangen hat, mit dem Ali von Deutschland in den Iran gefahren ist und auf Qeshm angefangen hat, Bratwürste zu verkaufen. Leider verbrachte ich nur eine Nacht da, gerne wäre ich noch länger geblieben und hätte mich mit den Besitzern unterhalten, die eine sehr interessante Geschichte hatten und uns einen interessanten Einblick in die Situation auf Qeshm gegeben haben. Allgemein haben die Gespräche mit den Locals allerhand interessante Informationen hergegeben. So sagte uns zum Beispiel unser Tourführer vom zweiten Tag, dass 30% der Bewohner Qeshms im Schmuggel arbeiten, und ein alter Mann bei der Lenj-Werft meinte mit Handel auch eher Schmuggel. In selben Ort wurde uns übrigens auch angeboten, dass wir westliches Bier kaufen können. Leider war das jedoch gerade nicht vorrätig, also wurde uns Absolut Wodka angeboten. Soweit wollten wir um 12.00 Uhr Mittags jedoch nicht gehen. Und in wenn immer man in Bandar Abbas Leute sah, die schnell Kisten in bereitstehende Autos packten, konnte man mit Sicherheit sagen, dass diese Ware nicht verzollt war. Und das Regime? Das duldet den Schmuggel, beziehungsweise verdient noch aktiv daran mit. Der Hafen in Bandar Abbas, in dem Tonnen geschmuggelter Ware umgeschlagen werden,  ist zum Beispiel in den Händen der Revolutionsgarden. Durch Korruption ist halt alles möglich. Auch im islamischen Iran. Und obwohl Qeshm eigentlich zur Freihandelszone erklärt wurde, erhob das Regime nach einigen Jahren für Qeshm eine Steuer von 1%, da man schließlich ein Stückchen vom Kuchen abhaben wollte…

Bandare Laft in unserer Unterkunft in Qeshm-Stadt ... leider hat meine Kamera gespinnt, deswegen habe ich nicht soviele Bilder von der Stadt und dem letzten Tag...

Die restliche Zeit in Qeshm-Stadt verbrachten wir damit, die Badesaison für uns zu eröffnen und den Basar von Qeshm-Stadt zu erkunden. Verwunderlich, dass sich dieser noch durchsetzt, denn auf unserem Weg zum Basar auf einer Strecke von 2km an mindestens 3 Malls vorbei gelaufen – mehr werden gerade gebaut.

Alles in allem war es ein sehr sehr schöner, erholsamer Urlaub. Vielleicht werde ich in meiner Zeit hier nochmal hinfahren, wenn auch das Wetter kontinuierlich wärmer wird und im April schon an der 40°C Marke kratzen wird.

und ansonsten? Heute ist Chahar shanbe suriyeh, der letzte Seh shanbe (Dienstag) vor’m iranischen Neujahrsfest, welches in 6 Tagen beginnt. Da werde ich wohl nach Teheran fahren, aber fest steht noch nichts. Heute Abend sind wir auf eine Gartenparty eingeladen, mal sehen wie es wird. Viele iranische Freunde haben uns eigentlich davor gewarnt das Haus zu verlassen, da heute so Feuerwerk gezündet wird wie bei uns zu Silvester, bloß noch einige Kategorien stärker. Mal sehen was der Abend bringen wird.

bis demnächst!

Schiiiii foarn

06März2017

Hallo Leute,

nachdem der letzte Eintrag von meiner Wüstentour war, geht es heute ganz kurz über mein letztes Wochenende. Das habe ich in Fereydunshahr verbracht und das war vom Klima und Witterung gänzlich unterschiedlich von der Wüste.

es ging zum Ski fahren! Was ursprünglich als Spaßidee entstanden ist, wurde nachdem wir herausgefunden haben, dass wir einen Feiertag am Donnerstag hatten, ganz fix geplant und durch gezogen … ganz uniranisch. Mit einer Gruppe von 7 Leuten, 4 Internationals und drei Iranern, mieteten wir einen 18-er Bus und fuhren so einen Tag zum Skifahren nach Fereydunshahr. Früh um 5.30 Uhr ging es los, und nach 2,5 Stunden Fahrt und einer halbstündigen Unterbrechung durch die Highway Police, die mal wieder mit brillianter iranischer Arbeitseffizienz glänzte, erreichten wir die Piste.

Unser Sand wird weniger, Schnee wird mehr

Dort angekommen mieteten wir unsere Ausrüstung, die zum Glück moderner war als das Meiste, was angeboten wurde. Einige Modelle haben eigentlich schon wieder Kultstatus gehabt. Für die, die kein Skifahren konnten, wurden auf dem Weg zum Skigebiet Gummireifen angeboten, mit denen sie den Abhang runterrutschen konnten.

 

tubing die Piste

Das Skigebiet selbst war nicht groß, es gab lediglich eine Piste und einen Anfängerhang. Dort verbrachten hauptsächlich die Japanerinnen ihre Zeit, da sie zum ersten Mal in ihren Leben auf Skiern standen. Moritz und ich erprobten währenddessen die dunkellilane Piste – dunkellila, da sie an höchster Stelle vom Schwierigkeitsgrad schwarz war, dann in eine rote Piste überging und schließlich in einer Blauen mündete – auf einer Länge von etwa 500 Metern.  Es war ein sehr schöner Tag, trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit der Piste und der Ausrüstung. So kam es dass ich drei Mal den „Boden essen“ (zamin khurdan – hinfallen – wörtlich: den Boden essen smile) musste, einmal weil mir mitten während der Fahrt ein Ski stiften gegangen ist. Aber nach und nach gewöhnte ich mich an Piste und Skier und es hat sehr viel Spaß gemacht. Zwischendurch gab es leckeres, selbstgemachtes Mittagessen.

Hallo die Schneebedeckten Berge sehen aus wie weiße Dünen    weiß und braun

Und nachdem ich nun von Ski und Kälte geschrieben habe, fliege ich morgen für 4 Tage nach Bandar Abbas und Qeshm, der größten Insel des Iran im Persischen Golf. Dort werden dann wohl ganz tropische Temperaturen herrschen. cool

bis dahin